#72 Bist du Lena oder Jonas?

Shownotes

🎙️ #72 - Zwei Klienten, dieselbe Woche, derselbe Rückschlag – und zwei völlig unterschiedliche innere Reaktionen darauf. Diese Folge zeigt anhand einer wahren Begebenheit aus der Praxis, warum nicht der Rückschlag selbst entscheidet, wie es weitergeht, sondern die Geschichte, die wir uns danach erzählen.

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Transkript anzeigen

00:00:03: So, es ist wieder Dienstag.

00:00:04: Es ist wieder Zeit fĂĽr zehn Minuten fĂĽr deine mentale Gesundheit.

00:00:07: Schön dass du mit am Bord bist!

00:00:10: Heute möchte ich dir was erzählen zum Thema Mindset und zu zwei Klienten die ich seit einiger Zeit habe und denen spannenderweise etwas relativ ähnliches passiert ist und spannender Weise haben beide sehr unterschiedlich reagiert.

00:00:24: Und was das mit dem Thema Mindsets zu tun hat und was wir daraus lernen können?

00:00:28: Darum sollte es heute gehen.

00:00:31: Vielleicht erkläre ich kurz oder erzähle ich kurz, was über die beiden Klienten natürlich analogisiert logisch.

00:00:36: Die eine möchte einfach mal Lena nennen, vierunddreißig Jahre alt Marketingmanagerin bei einem mittelständischen Unternehmen und sie kam ursprünglich zu mir wegen chronischer Anspannung, wegen Schlafproblemen gegen Arbeitsüberlastungen.

00:00:49: Sie war bei der Arbeit immer dafĂĽr bekannt mutig neue Dinge voranzutreiben auch mal ins kalte Wasser zu springen Und die Kolleginnen haben sich als jemandem beschrieben Ja, recht positiv an den Geraden geht.

00:01:03: Die sich nicht lange mit Ehrge auffällt in was nicht geklappt hat sondern die eher geschaut hat hey das können wir eigentlich aus diesem ganzen Misserfolg lernen.

00:01:10: und Lena hatte sich auf intern auf eine FĂĽhrungsposition beworben, die eigentlich nicht so ganz ihrem Erfahrungsniveau entsprochen hat.

00:01:20: Eigentlich war es eine Stufe zu hoch für das was eigentlich gerade bei ihr dran gewesen wäre aber ich habe jetzt trotzdem einfach mal probiert.

00:01:27: Das war ein bewusster Sprung.

00:01:28: Ich wollte einfach mal schauen, schaffe ich das Challenge accepted sozusagen?

00:01:34: Der andere Klient ist Jonas.

00:01:38: Und der ist schon sehr lange bei derselben Firma als IT-Fachkraft.

00:01:43: Ich glaube bei vierzehn Jahre ist er mittlerweile schon dort hat einen sicheren Job und ein gespieltes Team klare Abläufe die ihr im Schlaf kennt.

00:01:50: und dann passiert ihm folgendes es kommt zu einer Umstrukturierung.

00:01:54: Seine Stelle fällt weg und zum ersten Mal seit über einem Jahrzehnt muss er sich externe Bewerben, mit einem Lebenslauf.

00:02:02: Mit allem was dazugehört und er kam zu mir bei den Situationen total gelähmt hat.

00:02:07: Er war voller Selbstzweifel, er hatte nicht mehr gut schlafen können, hat ständig dieses Gefühl so alt und nicht mal auf der Höhe der Zeit zu sein obwohl er fachlich eigentlich wirklich wirklich gut war.

00:02:17: So dann haben sich eben beide beworben ja?

00:02:21: Und beide haben eine Absage bekommen.

00:02:24: Aber spannend war jetzt, wir haben beide reagiert.

00:02:26: Wir haben sie diese Absage verdaut.

00:02:28: Wie haben Sie diese Absagen irgendwie fĂĽr sich angenommen oder eben nicht?

00:02:33: Lena bekam die Absage weil ein externer Kandidat bevorzugt wurde.

00:02:39: Jonas deswegen bekam eine Absage Für eine stelle die fachlich fast fast exakt zu seinem bisherigen Job gepasst hätte und da hat er sich eigentlich echt gute chancen ausgerechnet.

00:02:51: Also zwei sehr unterschiedliche Menschen, zwei sehr verschiedene beruflichen Situationen.

00:02:55: Zwei sehr unterschiedliche Ausgangslagen in der Therapie aber derselbe RĂĽckschlag in derselben Woche.

00:03:01: das war nicht total spannend was es beides zugleich im also den gleichen woche passiert ist weil dann konnte ich nämlich genau diese beiden unterschiedlichen Herangehensweisen sehen und dachte mir dass wäre bestimmt eben spannend auch hier für euch in diesem Podcasts In der nächsten Sitzung.

00:03:15: nach der Absage kam Lena zu mir Und hat die Absage ihr so beidäufig erwähnt, hat es nicht groß thematisiert.

00:03:22: Eigentlich haben wir über andere Themen gesprochen also eher so als ob das fast eine Art Randnotiz gewesen wäre.

00:03:29: Die erste Reaktion war eher so okay, offensichtlich hatte der andere Kandidat halt mehr Erfahrung in genau dem Bereich fĂĽr den sie halt gesucht haben und ich werde einfach mal nachfragen um was mir noch gefehlt hat und dann weiĂź ich woran ich bin und vielleicht kann ich mich ja dann ein paar Monate nochmal bewerten.

00:03:47: Also ich habe kein großes Drama gemacht, keine große Enttäuschungs-Szene.

00:03:51: Eher so okay!

00:03:52: Nächster Schritt... Ich will einfach trotzdem weiterkommen.

00:03:57: Jonas der Gegend saĂź mir gegenĂĽber und war deutlich zurĂĽckgezogen als sonst.

00:04:02: Er hat gesagt, ich glaube ich bin einfach nicht mehr konkurrenzfähig.

00:04:06: Ich glaube die jungen HĂĽpfer sind alle an mir vorbeigezogen.

00:04:09: Diese Digitalnatives kann ich nicht mithalten.

00:04:13: Vierzehn Jahre bin hier zum selben Job Und wahrscheinlich sieht man mir das sofort an oder meinem Lebenslauf.

00:04:20: Er wirkte diesen Teil echt mĂĽde, er wirkte so ein bisschen resigniert ganz anders als noch einige Wochen zuvor also vor der Taten dran war und von der neuen Stelle gesprochen hat und sich dachte ja er kriegt es jetzt, er erschafft es, hat aber nicht bekommen.

00:04:37: Wenn wir jetzt vergleichen sehen wir Leena sagt okay offensichtlich hat der andere Kandidat mehr Erfahrung während Jonas sagt, ich glaube, ich bin einfach nicht mehr konkurrenzfähig.

00:04:47: Das ist ein Riesenunterschied.

00:04:50: und genau hier setzt ein Konzept aus der Forschung von der Psychologin Carol Dweck an, nämlich sogenannte Attributionstheorie.

00:04:59: Da geht es darum wie wir uns eben selbst erklären warum uns etwas gelungen oder Misslungen ist.

00:05:05: Und diese Erklärung ist oft folgenreicher als das Ereignis selbst – das ist ganz wichtig!

00:05:12: Dweck hat nämlich unter anderem mit Schulkindern untersucht, wie unterschiedlich diese Kinder auf einen schwierigen Test reagiert haben.

00:05:19: Und dann gab es Kinder die erscheint damit ich bin einfach nicht gut genug erklärt habe.

00:05:24: Die haben später ähnliche Herausforderungen vermieden, zeigten weniger Ausdauer, gaben schneller auf.

00:05:32: Kinder die gesagt haben das hab' ich noch nicht mit der richtigen Strategie versucht.

00:05:37: Ich muss das nochmal versuchen!

00:05:38: Die suchten aktiv danach nach neuen Nötungswegen und ließen sich von einem einzelnen Misserfolg nicht entmutigen.

00:05:45: Und spätere Forscher, unter anderem auch Jugendlichen im Übergang in die Weite für eine Schule haben gezeigt.

00:05:50: genau dieser Unterschied in der Erklärung sagt über Monate hinweg am zuverdäßigsten voraus wie sich die Leistung und die Motivation einer Person entwickeln.

00:06:01: Also es geht nicht um den RĂĽckschlag.

00:06:03: jeder kann Rückschläge haben.

00:06:04: Es geht darum Wie erkläre ich ihn mir?

00:06:06: Sag ich mir Ich bin zu doof oder sag ich mir Die Umstände haben halt nicht gepasst.

00:06:12: Und bei Lena war die Erklärung von Anfang an Strategie bezogen.

00:06:16: Ein fehlende Erfahrung, ein klar benennbarer Faktor, kein grundsätzliches Urteil über sich selbst.

00:06:22: Ganz ganz entscheidend!

00:06:23: Bei Jonas dagegen war die Ernährung sofort global und auf die eigene Person bezogen – ich bin nicht mehr konkurrenzfähig.

00:06:29: Also es wĂĽrde das fĂĽr alles Geld was er in Zukunft noch anpacken wĂĽrde.

00:06:37: haben sich die beiden Wege dann noch deutlicher auseinander entwickelt und das, obwohl beide äußertlich gesehen nur eine einzige Absage verkraften mussten.

00:06:45: Lena hat sich dann nämlich tatsächlich Feedback vom Auswahlgremium eingeholt, hat mir E-Mail geschrieben, hat ein kurzes Telefonat geführt und hat erfahren, dass ihr einfach das was ihr schon gedacht habt, konkret die Erfahrung am internationalen Projektgeschäft gefiltert.

00:07:01: Nichts, was ich nicht entwickeln lieĂźe aber sie hat es halt einfach auch nicht gehabt.

00:07:04: Und noch in derselben Woche hat sie sich dann eben für ein internes Projekt mit genau diesem Schwerpunkt angemeldet, einfach um für die nächste Bewerbung das vorweisen zu können.

00:07:14: Jonas dagegen hat sich ziemlich stark zurĂĽckgezogen und hat sich drei Wochen lang auf gar nichts mehr beworben und wurde der Druck finanziell wieder was zu haben eigentlich echt immer mehr Anstieg.

00:07:28: In unserem Sessions hatte er mir immer wieder erzählt, dass er abends stundenlangen Stellenanzeigen durchstrahlt immer wieder so kurz davor ist auf den Bewerben-Button zu schicken, aber dann doch nicht sich traut.

00:07:40: Aus der Angst heraus, dass er wahrscheinlich eh wieder abgelehnt wird und das jeder weitere Absage die Geschichte, die er über sich selbst erzählt nur noch mehr bestätigen würde.

00:07:51: Und da hat er so viel Angst gehabt und deswegen hätte er sich einfach gar nicht mehr beworben.

00:07:54: also wirklich wie gelernt!

00:07:57: Und genau in diesem Punkt habe ich ihm natürlich wiederum ohne Namen zu nennen die Geschichte von Lena erzählt von jemandem, der kurz zuvor eine ganz ähnliche Absage bekommen hat aber ganz anders daraus reagiert.

00:08:07: Ich habe Jonas nicht gesagt mach es doch auch so weil das funktioniert therapeutisch meistens nicht wirklich.

00:08:14: Es klingt zu sehr nach Vergleich ja und noch mehr Druck und so.

00:08:17: Aber ich hab ihn gefragt was wäre wenn die Absage nicht heißt dass du nicht in einer Konkurrenz weg bist sondern nur dass im diesem einen Bewerbungsprozess etwas konkretes gefehlt hat Dass sich vielleicht sogar wirklich in Worte fassen lässt.

00:08:31: Und das war der Moment, in dem sich bei Jonas ein bisschen was verschoben hat.

00:08:35: Nicht schlagartig, nicht sofort, ja?

00:08:38: Nicht sowieso wie so ein Schalter, wie man oft so schön sagt nein!

00:08:41: Aber er hat angefangen sich zu fragen ob seine Erklärung überhaupt stimmt oder ob es sich nur deshalb sich diese Erklärungen so zurechtgelegt hat weil sie zu seiner Angst passte und ihm damit paradoxerweise vertraut wird.

00:08:55: Wichtig ist mir, nicht jeder Rückschlag ist automatisch eine Fähigkeitsfrage.

00:09:00: Manchmal und das ist gar nicht so selten, tatsächlich sind es einfach die externen Umstände.

00:09:06: Auch das gehört zu einem gesunden Growth Mindset dazu.

00:09:10: Es ist nichts von naive Optimismus wo man sich jeder Situation schön redet Sondern es geht darum eine ehrliche Prüfung vorzunehmen.

00:09:18: Woran lag es wirklich?

00:09:19: Was?

00:09:19: davon war mein Anteil Und wahrscheinlich war ein kleiner Anteil dabei von mir selbst.

00:09:26: Aber was wir oft viel zu wenig machen Den wir vielleicht gar nicht so sehr selbst im Griff hatten.

00:09:34: Wie bei Lena zum Beispiel, wo es einfach in besseren Kandidaten gab.

00:09:39: Der schon erfahrener war, der zehn Jahre mehr Berufserfahrung mitgebracht hat auf diesem spezialisierten Feld.

00:09:44: Da konnte sie ja einfach nicht dagegen ankommen.

00:09:47: Logisch!

00:09:48: Also woran wartet das wirklich?

00:09:50: Diese Frage brauchen wir und da sollten wir sehr ehrlich sein.

00:09:53: Nicht schön reden aber auch nichts überdramatisiert.

00:09:57: Jonas hat sich dann übrigens einige Wochen später auf eine neue Stelle beworben mit einer kleinen aber entscheidenden Änderung in seinem Anschreiben.

00:10:06: Und zwar hat er konkret benannt, welche Erfahrung aus vierzehn Jahren im selben Unternehmen für die neue Rolle relevant war statt sich für die lange Betriebszugehörigkeit fast zu entschuldigen weil das hat er nämlich bei der Bewerbung davor so gemacht.

00:10:21: und ob es dieser einen Bewerbungen war, den geklappt hat?

00:10:25: Das weiĂź ich nicht!

00:10:27: Aber er hat mir berichtet dass sich das Schreiben zum ersten Mal seit Monaten nicht wie eine Rechtfertigung angefĂĽhlt hat, sondern wirklich wie eine Bestandsaufgabe.

00:10:36: Der Modellmaßprozess läuft noch?

00:10:38: Ich drĂĽcke ihm sehr die Daumen, dass er es packt diesmal!

00:10:41: Ich habe ein gutes Gefühl aber... Wie gesagt man weiß es immer nicht weil man ist nicht immer nur selber daran beteiligt das gibt immer auch äußere Umstände.

00:10:50: Was mir diese Geschichte über Growth meins zeigt lässt sich im Grunde in drei Fragen bündeln und wenn du möchtest kannst du dir beim nächsten Mal wenn etwas schiefläuft und du so ein bisschen um Haaren bist, genau diese drei Fragen stellen.

00:11:03: Diese drei Fragen lauten erstens erklärst du dir in der Rückstacke gerade mit etwas Konkrete oder eher so mit einem pauschalen globalen Urteil über dich als Person?

00:11:12: ich bin einfach zu nichts Nutzer zum Beispiel.

00:11:16: Zweitens liegt es wirklich an einer feinen Fähigkeit?

00:11:21: Oder sind das die Rahmenbedingungen, die nicht passen?

00:11:26: Und drittens redest du dir die Situation nur schön oder prüfst du ehrlich, was du beim nächsten Mal ändern könntest.

00:11:36: Lena und Jonas hatten in der selben Woche den selben Rückschlag aber die nächsten Wochen sahen zunächst komplett unterschiedlich aus.

00:11:44: Und zwar nicht weil einer von beiden talentierter war, nicht weil eine vom Beiden mehr Grund zur Zuversicht gehabt hat, sondern weil sie sich unterschiedliche Geschichten über dem selben Moment erzählt haben.

00:11:53: Diese Geschichten waren keine feste Eigenschaft von ihnen!

00:11:57: Sie ließen sich als etwas Abstand und der richtigen Frage zur richtigen Zeit verändern.

00:12:05: Also frag dich nach deinem nächsten Rückschlag!

00:12:07: Erzählst du dir gerade eher die Geschichte von Jena oder eher die von Jonas?

00:12:13: Und falls es eher die Von Jonas ist, dann weiĂźt Du jetzt was Du zu tun hast.

00:12:17: In diesem Sinne wĂĽnsche ich Dir... Nein, ich wĂĽnsch Dir keinen RĂĽckschlag aber falls einer kommt, wĂĽnsche Ich Dir dass Du gut mit ihm umgehst.

00:12:24: Was war's fĂĽr heute?

00:12:26: Bis zur nächsten Folge.

00:12:27: Ciao Ciao.

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