#78 Süßer als Kokain

Shownotes

🎙️ #78 - Sucht klingt nach Extremfall. Diese Folge zeigt, warum der Mechanismus dahinter viel näher an deinem Alltag liegt, als dir vielleicht lieb ist.

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00:00:00: So, herzlich willkommen zu einer weiteren Folge von Zehn Minuten für deine mentalen Gesundheit.

00:00:06: und heute starte ich mit einem kleinen Geständnis.

00:00:11: Und zwar... Ich bin süchtig!

00:00:15: Und zwar süchtigt nach Zartbitterchokolade.

00:00:20: Also mittlerweile esse ich jeden Tag meistens am Abend nach einem langen anstrellen Tag nach Hause komme dann irgendwann sitze ich auf der Couch Und meistens schauen wir dann irgendeine Fernsehserie an.

00:00:33: Und dann kommt zu dieser Moment, wo ich mir denke ach es ist gerade so gemütlich, es ist grad so schön.

00:00:37: und noch schöner und noch gemütlicher könnte es werden wenn ich jetzt mehr ein kleines Stückchen zart wird der Schokolade, siebzig Prozent gönne!

00:00:46: Und dann esse ich ein Stückchen und das schmilzt so schön im Mund und das stellt sich ein gutes Gefühl ein schmeckt natürlich auch gut.

00:00:54: und dann denke ich mir auch noch einen Stückchen wäre nicht schlecht.

00:00:57: Und dann ist nicht nur ein Stückchen weg, sondern meistens das sind so eine ganze Reihe.

00:01:01: Bestehend aus viel so Rippen glaube ich sagt man und an harten Tagen ist es auch noch ein bisschen mehr weg.

00:01:09: und Das ist was wo ich mir denke ja?

00:01:12: Das ist jetzt wahrscheinlich keine krass ausgeprägte Sucht und die ist auch nicht super super schädlich weil man ja auch sagt dass zart mit der Schokolade Im vergleich zu normaler folgend Schokoladen eher auch etwas ein Anführungszeichen gesünder ist.

00:01:25: Aber trotzdem ist es was, was ich irgendwie brauche um mich gut zu fühlen und genau dieses eine Wort nämlich brauchen statt wollen.

00:01:35: das ist heute mein Einstieg in den Thema dass größer ist als es vielleicht zunächst klingt nämlich Sucht.

00:01:42: denn mit sucht man nicht die extremen Formen ja nicht heroinen nicht am Vitamine sondern es kann auch eben ein Stück Zeit bitter Schokolade sein.

00:01:50: Und es gibt nach heute in diesem Podcast diese Folge eher so einen Mechanismus dahinter, der in jedem Gehirn existiert und höchstwahrscheinlich auch in deinem.

00:02:01: Vielleicht sind das bei dir auch Süßigkeiten?

00:02:03: Vielleicht ist das aber auch eine Tiggarette oder vielleicht ist es Alkohol, vielleicht ist das irgendeine Gewohnheit, Sport, Einkaufen, Glücksspiel, Handy, irgendwas... Also die meisten von uns haben eine Sucht!

00:02:13: So weit würde ich mich aus dem Fenster lehnen.

00:02:16: Übrigens Thema Süßkeiten und Zucker.

00:02:20: Diese Sucht haben, glaube ich sehr viele und nicht nur ich.

00:02:23: Und es gibt eine gute Erklärung dafür, die möchte ich an dieser Stelle auch mal in den Raum schmeißen, damit ich mich so ein bisschen rehabilitieren kann.

00:02:29: Es gibt nämlich eine spannende Studie.

00:02:31: Und zwar im Jahr zwei Tausend Sieben hat Megalie De Noir und ihr Team die haben Ratten untersucht.

00:02:37: Und sie haben die Ratten vor einem Wahl gestellt.

00:02:39: Auf der einen Seite haben die ratten entweder intravenös Kokain bekommen oder aber auf der anderen Seite gab es mit Süßstoff gesüßtes Wasser.

00:02:51: Jetzt muss man noch zu sagen, Kokain ist eine der an stärksten süchtig machenden Substanzen die wir überhaupt haben.

00:02:57: Das Ergebnis war, vierundneunzig Prozent der Ratten entschieden sich für den Süßstoff also nicht für das Kokain sondern für das mit Süßstoff gesüßte Wasser und insofern zucker aktiviert im gehirn denselben Belohnungsmechanismus wie Kokain.

00:03:15: Nicht dieselbe Intensität auch nicht dieselbe Schädlichkeit aber es ist derselbe Schaltkreis.

00:03:21: Und, was genau ist Sucht?

00:03:24: Vielleicht macht es Sinn dass wir darüber mal so ein bisschen sprechen damit du weißt.

00:03:27: Was das damit genau auf sich hat und damit du auch weißt ob du vielleicht hier und da ein bisschen gefährdet bist oder vielleicht ein bisschen besser aus die schauen solltest.

00:03:38: also Es gibt dazu einen suchtforscher nämlich Mark Griffiths.

00:03:43: Boah, was für eine Name!

00:03:49: ein Modell vorgestellt, dass sechs Bausteine identifiziert, die jede Sucht ausmachen.

00:03:54: Und zwar egal ob es um eine Substanz geht oder man Verhalten geht, egal ob das um Zucker geht oder was um Heroin oder Kucker hingeht... Das sind sechs Baustellen und ich möchte dir kurz vorstellen damit du weißt, was Sucht eigentlich wirklich ausmacht.

00:04:09: Das erste was er sagt ist die sogenannte Salient.

00:04:12: also das Thema dominiert dich total gedanklich, auch wenn du gerade mit etwas anderem beschäftigt bist.

00:04:20: Also wenn du zum Beispiel gerade in der Arbeit bist, aber du denkst nur daran wie du jetzt gleich den nächsten Schoss Heroin kriegen kannst dann ist das Salience, ja?

00:04:30: Das Thema dominiert dich gedanklig!

00:04:32: Dann gibt es sowas wie Stimmungsregulation.

00:04:34: also man nutzt den Stoff oder man benutzt das Verhalten um sich besser oder zumindest anders zu fühlen.

00:04:41: Das ist eigentlich der Grundsatz an jeden Sucht.

00:04:44: Also ich esse Schokolade, um mich besser zu fühlen.

00:04:47: Ich gebe gerne viel Geld aus beim Shoppen, um dich besser zu füllen.

00:04:50: Ich mache irgendwas anderes und mich besser zufühlen.

00:04:53: Klingt chlorisch!

00:04:54: Das Dritte ist Toleranz.

00:04:56: D.h.,

00:04:57: man braucht mit der Zeit mehr, um den selben Effekt zu spüren.

00:05:00: Dann Viertepunkt Entzug Unruhe oder Reizbarkeit wenn es fehlt.

00:05:05: Das sieht man ganz oft bei Drogen Junkies, die loskommen wollen von ihrem Stoff.

00:05:11: Das sieht man aber auch bei Leuten zum Beispiel in der Brauchung auffangen wollen.

00:05:14: Dass sie im Anfang sehr unrückwärm und dass die vielleicht erstmal substituieren, wenn sich ein Raucherpflaster draufkleben.

00:05:21: Die kannte immer jemanden derzeit dessen angefangen ganz wieder Gummibächer zu essen und es entsprechend dann dick geworden.

00:05:27: Also das ist das Thema Entzug.

00:05:30: Fünfter Punkt ist Konflikt mit sich selbst oder mit anderen wegen des Verhaltens.

00:05:35: also sucht es ja eine Geschichte die nicht nur einen selbst betrifft, wenn man süchtig ist.

00:05:43: Sondern wo das Umfeld ganz stark mit reingezogen wird.

00:05:47: Also es kann sein zum Beispiel dass ich hatte mal jemanden bei mir in der Praxis, der hat berichtet, sie hat berichtet, dass ihr Mann Glücksspiel süchtigt und er alles Geld verprasst was Sie haben!

00:06:01: Und sie hat dann immer wieder versucht das Geld zu verstecken, das Geld woanders hinzutun damit er nicht alles aus dem Fenster raushaut.

00:06:07: Das heißt also sie war mit davon troffen, weil er natürlich auch ihr Geld verpasst hat.

00:06:13: Und letzter Punkt, sechster Punkt Rückfall!

00:06:16: Also es gibt eine Starkentendenz der Rückkehr zum alten Muster nachdem man das eigentlich unter Kontrolle gebracht hatte.

00:06:23: Das ist der klassische trockene Alkoholiker, der dann auf einer Party ein kleines Bierchen trinkt und dann trinkte er blöderweise noch eins und dann ist wieder Damen gebrochen und dann is er wieder voll in seiner Alkohlzucht drin.

00:06:37: Das Interessante ist, diese sechs Punkte lassen sich nicht nur auf Substanzen anwenden sondern auch zum Beispiel Handy checken.

00:06:43: Könnte genau unter diesen sechs Punkte fallen!

00:06:45: Auch Zucker, die ständige Suche nach Bestätigung über Likes

00:06:48: z.B.,

00:06:49: auch Online-Shopping und Sexsucht sind dieselben sechs Bausteine mit anderen Auslösern oder mit anderen Aktivitäten.

00:07:00: Um zu verstehen... Warum dieser Mechanismus so mächtig ist, lohnt sich vielleicht auch ein Blick auf eine der bekanntesten Entdeckungen der Neuro-Wissenschaften.

00:07:09: Und zwar müssen wir da viele, viele Jahre zurückgehen im Jahr.

00:07:12: Am Jahr, hier hat James Owls und Peter Milner wiederum bei Ratten ganz bestimmte Hirnregionen mit einem schwachen elektrischen Reiz stimuliert.

00:07:28: bauten dann in den Rattenkäfig einen Hebel ein, mit dem die Ratten diesen Reiz selbst auslösen konnten.

00:07:37: Und die Forscher haben die Elektrode im Gehirn der Ratte platziert und haben verschiedene Regionen getestet.

00:07:45: Als sie eine ganz bestimmte Region erwischt haben, nämlich die sogenannte septale Region, so heißt das, da passiert etwas super erstaunliches, nämlich drückte den Hebel bis zu sieben Tausend Fünfhundert Mal in zwölf Stunden.

00:08:00: Er hat immer wieder drauf gedruckt, immer wieder immer wieder und sich vernachlässigte.

00:08:05: dafür Futter!

00:08:07: Sie vernach läßigte Schlaf.

00:08:09: der Reiz allein reichte um praktisch alles andere in den Hintergrund zu drängen.

00:08:15: Und es kam soweit dass Ratten quasi gestorben sind weil sie immer nur auf diesen blöden Klopf gedruckter.

00:08:23: Und Olds und Milner hatten dadurch eher zufällig das biologische Belohnungssystem des Gehirns entdeckt.

00:08:29: Nämlich ein Schaltkreis, der so stark reagieren kann dass er sich vom eigentlichen Überleben abkoppelt.

00:08:36: Und genau dieser Schallkreis wird zum Beispiel dann auch durch Zucker aktiviert.

00:08:41: Durch Zartbetonokulare ja?

00:08:43: Durch einen Like!

00:08:44: Durch alle anderen Sachen die wir vorhin schon besprochen haben.

00:08:48: Zum Abschluss habe ich für dich heute keine Hacks sondern ich habe mir gedacht es wäre nicht wahrscheinlich cleverer und wahrscheinlich auch zielführend, wenn ich dir ein paar fragen stelle um zu sein drei Fragen mit denen du dich selbst reflektieren kannst oder dein eigenes Verhalten also ein bisschen auf den prüfstand stellen kann.

00:09:05: Es geht gar nicht so sehr darum dass du dich selber bewertest das du sagst da bin ich aber schlecht oder da bin Ich hab voll in meiner sucht drin.

00:09:12: oh Gott wie blöd von mir.

00:09:13: nein!

00:09:14: Es gibt einfach nur drum ehrlich zu sich zu sein ehrlich hinzuschauen und dann vielleicht ein bisschen Abstand ein paar Dinge später anders zu händeln.

00:09:23: Drei Fragen habe ich dabei, die erste Frage lautet, wonach greifst du wenn du unruhig oder gelangweilt bist?

00:09:33: Das kann zum Beispiel sein Essen über mir zart bitter Schokolade das kann sein Sport.

00:09:40: manchmal ist es aber auch so was wie rauchen ja manchmal ist können ganz viele verschiedene Sachen sagen.

00:09:47: Überlegt aber mal, was machst du wenn du unruhig oder gelangweilt bist?

00:09:52: Handychecking ist so ein Klassiker zum Beispiel.

00:09:55: Aber wie gesagt schauen wir einmal, was tu machst?

00:09:58: Was machst Du, wonach greifst Du, wenn du eigentlich unruhmig und gelangwalt bist?

00:10:05: Zweite Frage Brauchst du mittlerweile mehr davon um denselben Effekt zu spüren?

00:10:12: das erledigt ganz häufig zb Leuten die sehr viel Sport treiben.

00:10:15: Sie würden sagen jetzt Jetzt reicht nicht meine halbe Stunde, es muss eine Stunde Rad fahren.

00:10:21: Und dann nach ein paar Wochen müssen sie zwei Stunden Rad fahren, immer mehr damit die gleichen Effekte waren.

00:10:27: Nämlich so.

00:10:28: dieses Ausgepowered-Seilen, dieses Zufriedensein, dieses Runners High gibt's ja auch beim Laufen zum Beispiel als dass man das Ganze immer weiter steigern muss.

00:10:37: Bei mir ist es

00:10:38: z.B.,

00:10:38: dass ich manchmal mittlerweile mehr Schokolade erst, obwohl ich mich eigentlich am Anfang geschworen hatte, dass sich nur eins höchstens zwei kleine Stückchen zu mir nehmen möchte.

00:10:48: Also auch da werde ich dir nächstes Mal so ein bisschen auf mich schauen.

00:10:50: Vielleicht schaffe ich es ja, meinen Schokoladenkonsum ein bisschen einzutimmen!

00:10:55: Die dritte Frage – was passiert in dir wenn du das Verhalten oder den Stoff einen Tag bewusst weglässt?

00:11:08: Es kann gut sein zum Beispiel dass du dann unruhig wirst.

00:11:11: Manche Leute werden gereizt, andere ziehen sich zurück, wiederum andere werden hyperaktiv, manche werden auch aggressiv.

00:11:20: Also schauen wir mal, ob du dich da so ein bisschen wiedererkennst.

00:11:23: Beobachte dich gerne mal!

00:11:26: Du musst diese drei Fragen nicht sofort beantworten.

00:11:29: Es reicht auch wenn du sie dir im Laufe der nächsten Tage immer wieder mal so ein bißchen zu Gemüte führst.

00:11:33: Ich werde nochmal kurz zusammengefasst die drei Fragen, damit du sie hier auf dem Schirm hast.

00:11:37: Erstens, wonach greifst du?

00:11:38: Wenn du unruhig oder gelangweilt bist.

00:11:42: Zweitens brauchst du mittlerweile das mehr davon um den selben Effekt zu spüren?

00:11:47: und drittens was passiert in dir das Verhalten oder den Stoff einen Tag bewusst weglässt.

00:11:56: Überlegt einfach mal ob da was bei dir aufploppt, ob du da nur was denkst und falls ja kannst wir mal ganz bewusst versuchen das Ganze ein bisschen wieder zurückzufahren.

00:12:08: es wird gar nicht so leicht sein aber ich denke mit einem bisschen Bewusstsein mit ein bisschen Reflexion ist das schon mal der erste Schritt und der nächste folgt dann im Anschluss.

00:12:20: Abschließend vielleicht folgendes.

00:12:22: Sucht ist nicht gleich sucht, also es gibt Heroinsucht, es gibt zartbitter Schokoladensucht, Es gibt Sportsucht, das gibt Shopping-Sucht und es gibt Brauchung.

00:12:32: Also es gibt ganz viele verschiedene Abstufungen.

00:12:34: Nicht alles ist per se dramatisch und schlimm.

00:12:40: Was ich aber eigentlich mit dieser Folge zum Ausdruck bringen wollte ist fast jeder von uns hat irgendwo irgendwie eine kleine Sucht, manche auch eine größere Und es lohnt sich, da manchmal hinzuschauen damit das Ganze nicht größer und größer wird.

00:12:55: Das ganze so frühzeitig in den Griff zu kriegen und frühzeitig zu regulieren.

00:12:59: aber erst mal sind viele Süchte gar nicht hoch dramatisch.

00:13:04: Trotzdem ist es gut sich damit zu befassen dass ich das vielleicht sagen wollte und vielleicht auch ein bisschen meinen Versuch mir einzureden das Zart mit der Schokolade gar nicht so schlimm ist eigentlich.

00:13:17: Aber ich verspreche euch und vor allem mir selber an dieser Stelle, ich werde versuchen ein bisschen zurückzufahren.

00:13:25: So das war's mit meinem Geständnis von heute!

00:13:29: Ich wünsche euch dass ihr gut auf euch aufpasst, dass ihr ehrlich zu euch seid wenn es um Süchte geht und ansonsten freue mich wenn wir uns nächstes mal wieder hören.

00:13:40: Bis dahin tschau tschow.

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